Monday, April 23, 2007

Hidden Fortress Trek


Von Kathmandu ging es mit der Canyoninggruppe in einem klapprigen Bus 3 Stunden Richtung tibetische Grenze. Dort liegt das "Borderland", ein kleines Paradies am Flussufer des Bhote Kosi. Zwischen Bueschen und Blumen finden sich auf kleinen Terrassen luxurioese Zelte, Toiletten und Duschen und ein Restaurant, dass unter einem Palmendach mit Bambusholz wie eine Lounge aussieht (Link 4 Tages trek) .
Im Borderland traf ich meinen Trekkingguide Min, der erst recht einsilbig erschien. Dieser stellte mir auch den Traeger und Koch Pema vor, einen kleinen Sherpa, der mich wie ein verschrecktes Kaninchen ansah. Fuenf Tage in Gesellschaft der beiden - das kann ja heiter werden, dachte ich, und wie gut dass ich ein paar Buecher zum Lesen dabei habe. So unterhielt ich mich noch solange wie moeglich mit den Teilnehmern der Canyoninggruppe, zwei Schweizerinnen aus Martigny, einer Franzoesin und einem Italiener.

Nach dem Mittagessen konnten wir ein Stueck weit mit der Canyoningruppe mitfahren, dann ging es ueber eine schwindelerregende wackelige Haengebruecke ans andere Flussufer. Und dort begann der Aufstieg. Wie ich spaeter erfahren habe, haben zwei Englaenderinnen die Stufen bis ins Bergdorf gezaehlt: es sind 4370 Stufen oder 700 Hoehenmeter Treppen. Und das bei knapp 30 Grad Hitze. So wurde ich auch ziemlich schweigsam und zaelte die Schritte bis zum naechsten Baum, bis zur naechsten Huette, bis zum naechsten Halt. Ca. alle 300m gibt es eine Art Haltestation, ein gemauertes Quadrat, wenn moeglich im Schatten. Dort treffen sich alle, die auf dem Weg nach oben sind, Dorfbewohner, Traeger, Bauern, Kinder. Ein Stueck weit wurden wir von zwei Traegern begleitet, einem ca. 70jaehrigen Mann, der barfuss mit einem riesigen Korb auf dem Ruecken (der mit einem Band an seinem Kopf befestigt war) und einem juengeren. Die beiden waren von einem Kiosk aus dem Bergdorf angestellt und tragen jeden Tag eine Riesenlast mit Waren nach oben. Mit der Zeit zog ein Gewitter auf und mit dem nahenden Donner beschleunigte ich meine Schritte. So kamen wir rechtzeitig vor dem Regen im Bergdorf an.

alleine daheim. Sie kuemmert sich um den Haushalt, die Kuh, zwei Ochsen, die Huehner und etwas Land. Bei unserem Besuch war zufaellig die ganze Familie daheim, da vor ein paar Tagen eine grosse Hochzeit im Ort war. Ich schaetzte Kayurmaya auf Ende 20, Anfangs 30, ihre aelteste Tochter schien aber schon ca. 13 Jahre alt zu sein. Min erzaehlte mir, dass unser Traeger Pema mit 14 verheiratet wurde, nun 10 Jahre verheiratet ist und zwei Kinder hat, die 5 und 2 jaehrig sind. Bei den ansaessigen Sherpas ist es ueblich, sehr frueh zu heiraten. Min kommt aus Pokhara, er ist aus der Magar Kaste, Dort uebernachteten wir im Haus einer einheimischen Familie, mit drei Huehnern im Gang. Pema und Kayurmaya, die Hausfrau, kochten uns auf offenem Feuer ein leckeres Abendessen und Min taute ein bisschen auf. Ich war es nicht gewohnt, von vorne bis hinten bedient zu werden und hatten ein schlechtes Gewissen. Pema machte mein Bett, einen improvisierten Tisch auf einer Isomatte und brachte einen Gang nach dem anderen. Mein Dankeschoen quittierte er immer mit einem kleinen, ernsten "welcome". Min war sehr sehr besorgt, dass es mir nicht gefallen koennte, meinte, wir wuerden morgen in einem luxurioesen Teahouse uebernachten und fragte ca. 20 Mal, ob ich mich auch nicht langweilen wuerde und ob das Essen auch gut waere. Mir war alles andere als langweilig, ich war etwas erschoepft, konnte aber nicht genug von den ganzen Eindruecken bekommen. Der Mann von Kayurmaya schaute neugierig vorbei und ich fragte ihn ebenso neugierig ueber alles aus. Er ist ein Geschaeftsmann, importiert Stoffe von China\Tibet nach Lhasa und lebt normalerweise im Tal. Ihre drei Kinder gehen auch im Tal zur Schule und uebernachten dort, so ist Kayurmaya normalerweisedie bekannt fuer ihre Krieger und Soldaten sind. Er hat die letzten Jahre ein paar Mal probiert, in die britische Gurkha Armee zu kommen. Als britisches Armeemitglied bekommt man ca. 1000 britische Pfund pro Monat, ein Vermoegen fuer Nepali, die um die 50 Dollar im Monat verdienen. Die Aufnahmebedingungen dafuer sind aber sehr schwierig, verstaendlicherweise bewerben sich hunderte junge Maenner dafuer und die Selektion ist streng. So muessen die Soldaten z.B. mit 125kg Steinen einen Berg hochrennen. Min schaffte die Aufnahme nie und ist ein bisschen enttaeuscht darueber. Mit seinen 24 Jahren ist er noch nicht verheiratet, als ich ihn nach dem Grund dafuer fragte, meinte er, seine Eltern wuerden die Entscheidung ihm ueberlassen und in der Schule haette er keine Maedchen in seiner Naehe gehabt. Ausserdem wolle er erst auf eigenen Beinen stehen, bevor er eine Familie gruendete.

Am naechsten Morgen meinten Min und Pema, dass ich gut laufen wuerde und wir so das Trekking von 5 auf 4 Tage verkuerzen konnten. Wenn ich gewusst haette, wie streng der Tag werden wuerde, hatte ich ihnen erzaehlt, dass ich am Vortag nur aus Angst vor dem Gewitter so schnell gelaufen bin. Start war 8 Uhr morgens, erst ging es gemuetlich am Hang entlang durch verschiedene Bergdoerfer. Wir sahen Frauen in den Feldern und Kinder, die in Koerben Gras sammelten oder Ziegen hueteten. Die Bauern bauen hier auf Tausenden kleinen Terrassen bis auf 2600m Weizen, Kartoffeln und Mais an.

Und endlich sah ich die Himalayaketten in der Ferne, ueberwaeltigend schoen. Das Gebirge erinnerte sehr an die Schweiz, einfach ein bis zwei Etagen hoeher. Zwei Berge waren knapp 7000 m hoch, einer davon ein heiliger Berg, aus dem drei heilige Fluesse entspringen und der deshalb nicht bestiegen werden darf.

Dann folgte ein steiler Abstieg in eine Schlucht. Komischerweise schien mir mein Rucksack beim Abstieg schwerer als beim Aufstieg zu sein und ich musste mich konzentrieren, nicht zu stolpern. Unten fuehrte eine Haengebruecke ueber den Fluss, die mir aber nicht geheuer erschien und so waehlten wir die Alternative und stiegen ueber grosse Steine. Meine Knie waren vom Abstieg sehr wackelig und zu Mins Entsetzen fiel ich in den Fluss... eine gute Abkuehlung... Vom anderen Flussufer waren es wieder 700 Hoehenmeter Aufstieg zu unserem Ziel Listi, ebenso steil wie am Vortag, aber ein schlechterer Weg und der prallen Sonne ausgesetzt. Ich war froh um jede Pause und staerkte mich mit Pemas getrockneten Fruechten, Cashew und Kokosnussstueckchen. Wir trafen einen Postboten, der taeglich die ganze Region ablaeuft um die Post auszutragen.

Endlich oben angekommen besichtigten wir einen Hindutempel und trafen eine junge Schwedin, die in einem Waisenhaus in Kathmandu arbeitet und ein Mischmasch aus Englisch und Nepali sprach. Sie war uebers Wochenende in einem anderen Resort zu Besuch und machte einen Tagesausflug nach Listi.
Min zeigte mir einen Maoisten mit einem Transistorradio, den ich misstrauisch beaeugte (hatte gehoert und gelesen, dass Maoisten gerne Touristen 100 Dollar fuer ihren Wahlkampf abzwingen). Politik ist ein heisses Thema in Nepal. Eigentlich sollten im Juni Wahlen sein, die wurden aber wegen organisatorischen Problemen auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Kandidaten sind alle nicht beliebt und Min meinte, die Maoisten wuerden wohl gewinnen.

Wir assen in einem kleinen Dorfladen Mittag. Dort befand sich das einzige Telefon (Satellit) des Dorfes, und im Laden wurde allerlei Krimskrams verkauft. Frauen aus dem Dorf kamen vorbei, um Suessigkeiten fuer sich und ihre Kinder zu kaufen... als Vorwand um mich anzuschauen. Der Maoist sprach mich ueber Pema an, wir unterhielten uns gemeinsam mit der Tochter des Ladenbesitzers und ich schenkte ihnen ein paar getrocknete Feigen. War dann froh, dass er kein Geld von mir wollte...
Eigentlich haetten wir in Listi uebernachtet, aber da es erst mittag war, liefen wir weiter, Richtung Chagam. Dieser Weg war wieder gemuetlicher, auf und ab dem Hang entlang. Unterwegs sahen wir Cross Yaks, eine Mischung aus Kuh und Yak, mit dichtem Fell und Pferdeschwanz.

Am Nachmittag kamen wir dann in Chagam an. Das Teahouse, in dem wir uebernachten wollten, war geschlossen und der Besitzer in Kathmandu, so sassen wir eine Stunde lang ratlos an einem Hindutempel herum. Ein aelterer Mann zeigte uns diesen, er freute sich ueber unser Interesse an Goettern, Trommeln und Zeichnungen. Eine aeltere Frau meinte, wir koennten im Haus ihrer Kinder uebernachten und wir nahmen ihr Angebot dankend an. Auch hier waren die Haeuser schoen dekoriert, mit bunten Holzschnitzereien, eine Toilettenhuette (mit Loch) und Wasserleitung 30m neben dem Haus. In der Wohnung hingen ca. 20 Bilder vom Dalai Lama, der Mann hatte einen Dalai Lama Sticker auf der Muetze. Die Hausfrau war 45, ihr Mann 55 ( sie erzaehlten mir spaeter, dass sie geheiratet haetten, love marriage, als sie 19 und er 22 war. War dann etwas unsicher bzgl. ihrem Alter). Sie hatten vier Kinder, die Soehne arbeiteten in Kathmandu, die beiden Toechter hueteten 15 Cross Yaks. Aus deren Milch produzieren sie kleine Kaeselaibe, die sie ueber dem Feuer in der Kueche raeuchern und auf dem Markt verkaufen. Ausserdem verkaufen sie getrocknete Holzstueckchen, dass bei religioesen Zeremonien verbrannt wird. Muss wohl Sandelholz, Myrrhe oder so etwas Aehnliches sein. Sie boten mir eine Getraenk an, der ein einer Art Butterfass aus Yakghee und Salz gemacht wird. Mit dem Abendessen gab es Raksi, ein alkoholisches Getraenk, dass wie Likoer schmeckte. Evtl. eine Art Reiswein? Es ist Sitte, dass die Glaeser der Gaeste immer voll sein muessen. So nippte ich vorsichtig an meinem Raksi, waehrend die anderen ein Glas nach dem anderen herunterschletzten.
Am naechsten Ort besichtigten wir das buddhistische Kloster und ich durfte am Gebet teilnehmen. Im Kloster wohnen 300 Nonnen, 70 Prozent von ihnen aus Tibet. Jede hat ihr eigenes Haus. Ich verstand kein Wort von der Predigt (Pema meinte spaeter, es handelte davon, dass man nichts Boeses tun sollte und Leuten helfen sollte), aber es war so schoen, im Tempel zu sitzen. Die Nonnen laechelten mich an und tuschelten, brachten Tee vorbei und lasen in ihren Gebetsbuechern. Zwischendurch kam eine Katze oder ein Hund vorbei. Es war eine wunderbare, friedliche, meditative Stimmung.
Um halb zehn wanderten wir weiter. Unterwegs sahen wir viele Stupas, die als Erinnerung fuer tote Lamas gebaut werden. Die buddhistischen Sherpas verbrennen ihre Toten in der Hoehe, Hindus am Flussufer (der Bhote Kosi fliesst irgendwann in den Ganges). Scheinbar starb vor zwei Jahren ein bekannter Lama aus der Region, seitdem suchen die Leute aus dem Kloster seine Reinkarnation. Der Lama hatte vor seinem Tode ein paar Hinweise gegeben, wo er wiedergeboren werde.

Unser dritter Tag war sehr lustig. Min und Pema versuchten, mir Nepali beizubringen, nannten mich Didi (grosse Schwester) und sangen Nepalilieder. Pema uebersetzte mir kichernd Witze in Englisch (die ich leider nicht verstand) und Min fragte mich ueber Europaer aus. Warum Touristen immer lesen, wenn sie doch in den Ferien sind. Und ob Gold wichtig fuer uns ist. In einem Hiphopvideo, das er gesehen hatte, trugen alle sehr viel Goldschmuck, warum dies so sei. Dass man vor der Heirat eine laengere Beziehung haben kann und dass es uneheliche Kinder oder Scheidungen und Patchworkfamilien gibt war ihm absolut unverstaendlich. Geburtstage sind unwichtig, aber es gibt den Brothers Day, an dem die Schwester dem Bruder ein Armband um die Hand bindet. Frueher haben die Nepali immer in Schlachten gegen die Tibeter verloren, aber wenn die Schwestern in Nepal ihren Bruedern Armbaender um die rechte Hand binden, sind diese unbesiegbar.

Wir besuchten ein altes Fort, das Duganagadi Fortress, dass strategisch guenstig auf einem Felsplateau auf 2400 m ueber dem Bhote Kosi liegt. Von dort hat man eine gute Sicht auf Khasa in Nepal. Das Fort soll der Sage nach in einer Nacht erbaut worden sein und man sieht auf einem Stein den Fuss und Knieabdruck des Koenigs, der hier mit seinem fliegenden Pferd landete.

Abends uebernachtetetn wir in Dungan. Min und Pema gingen Raksi trinken und ich frueh ins Bett. Hatte mir in Chagam Floehe und eine Erkaeltung eingefangen. Am naechsten Morgen stiegen wir ab und kehrten ins Borderland zurueck. Es war sehr komisch, wieder im Resort zu sein. Borderland gehoert einem Kanadier, und wird sehr westlich gefuehrt. Viele Sachen erinnerten mich an Club Med, die Angestellten machen Stimmung (morgen gehen wir Rafting, yehyeh, es wird super, yehyeh, wir sind die Besten). Das Essen ist superlecker, halb westlich mit viel frischem Gemuese. Wie im Club Med sitzt auch immer ein Guide an einem 6er Tisch, ich bemitleidete einen Nepali, der einen Tisch mit Franzosen teilte, die den ganzen Abend ueber seinen Kopf hinweg franzoesisch redeten. Ich teilte den Tisch mit zwei aelteren Daenen, die in einem Hilfsprojekt fuer CARE in Nepal arbeiten und einem uebermotivierten Guide, der mit aufgesetzter Froehlichkeit von seinen Touren berichtete. Einer der Daenen war grosser Fan der Schweizer Verfassung und fragte mich ueber deren Details aus. Wieviele Stimmen es fuer ein Referendum braucht, wie Entscheidungen auf nationaler und kantonaler Ebene gefaellt werden und was die Familiengeschichte von Nestle ist. Nicht gerade meine Spezialgebiete und alles so weit weg... Von rechts versuchte mich der Guide fuer Rafting oder Canyoning am naechsten Tag zu ueberreden... ich fluechtete recht bald in mein Zelt.

Den naechsten Tag verbrachte ich noch im Resort, kurierte meine Erkaeltung und fuhr dann wieder nach Kathmandu, in Gedanken immer noch in den Bergen. Das Trekking war meine beste Zeit in Asien, ich habe in den paar Tagen mehr ueber die Kultur hier gelernt als in den sechs Wochen zuvor. Die Leute hier scheinen mit fast nichts so gluecklich und zufrieden zu sein, und das faerbt ab. Moechte unbedingt wieder nach Nepal kommen und ein paar andere Treks machen.

Heute abend geht es erst mal wieder zurueck nach Muenchen und ich bin froh, wieder daheimzusein und alle wiederzusehen. Jetzt war ich doch eine ganze Weile weg. Obwohl ich so gerne reise und neue Laender entdecke habe ich das Gefuehl, nach Europa zu gehoeren und Teil der westlichen Kultur zu sein. Danke, dass ihr mich auf dem Blog begleitet habt, ich freue mich, Euch alles ausfuehrlicher daheim zu erzaehlen.

Tuesday, April 17, 2007

Bike Tour

Heute war unser letzter Tag in Kathmandu. Hm, wir haben uns hier langsam wie zu Hause gefuehlt, alle Restaurants und Strassenzuege gekannt - und die Einheimischen haben uns gekannt... Seit vorgestern rufen uns alle "Good morning, Charlies Angels" nach, hihi, da fuehlen wir uns doch geschmeichelt...
An unserem letzten gemeinsamen Tag haben wir eine Fahrradtour in ein nahegelegenes Waldreservat gemacht. Von dort hatten wir eine wunderschoene Aussicht - leider waren die Berge wie schon die letzten Tage immer noch wolkenverhuellt. Unsere Mountainbikes waren sehr gut, der nepalesische Verkehr gewoehnungsbeduerftig (am Anfang bin ich auf der falschen Seite gefahren) und auf dem Pass fuehlten wir uns, als haetten wir den Mount Everest bestiegen (unsere Kondition laesst zu wuenschen uebrig).
Zum Abendessen staerkten wir uns mit Allgaeuer Kaesespaetzle mit einem bayrischen Kartoffel-, Kraut- und Gurkensalat - und das war wirklich gut!!
Morgen geht es um 6h30 frueh fuer vier Tage auf Trekkingtour - und Holly & Jo fliegen nach Bangkok weiter, sniff...

Sunday, April 15, 2007

Kathmandu


Die Landschaft auf der Fahrt von Chitwan nach Kathmandu war traumhaft schoen, tiefeingeschnittene Flusstaeler, kleine Doerfer und gruene Wiesen.
Nach dem Nationalpark war es erst ein Schock, wieder in der Stadt zu sein, aber Kathmandu gefaellt mir inzwischen sehr gut. Mit der Gruppe haben wir noch eine buddhistische Stupa und einen Hindutempel besucht, anschliessend teilten sich unsere Wege. War schon komisch, wieder alle in die verschiedensten Himmelsrichtungen abreisen zu sehen. Holly, Joey und ich haben ein guenstiges Zimmer in einem schoenen Hostel gefunden und verbringen noch drei Tage gemeinsam. Gestern wurde hier Neujahr gefeiert: nach nepalesischer Zeitrechnung sind wir jetzt im Jahr 2064. Kathmandu ist sehr touristisch, wir wohnen im Stadtteil Thamel, wo ein Souvenirshop nach dem naechsten steht. Wir geniessen hier die westlichen Bars und Restaurants, feine Pizzen und jeden Tag ein anderes Stueck Kuchen (heute Schwarzwaelder Kirschtorte). Heute sind wir mit dem Taxi nach Bhaktapur und Patan gefahren, wie der Durban Square in Kathmandu zwei UNESCO World Heritage Sites mit einer wunderschoenen Altstadt. Gestern habe ich einen Viertages Trekkingtrip an die tibetische Grenze gebucht, werde von 18.-23.04. dort sein.

Friday, April 13, 2007

Im Dschungel


Am naechsten Morgen ging es auf eine zweitaegige Tour in den Nationalpark. Die Tour begann mit einer zweistuendigen Kanufahrt, auf welcher wir Krokodile und viele viele Voegel beobachten konnten. Mit unseren beiden Fuehrern machten wir uns dann zu Fuss auf den Weg in den Dschungel. Diese gaben uns erst eine kleine Einfuehrung: Wenn Baeren auftauchen, sollten wir alle in einer Gruppe bleiben, mit den Armen fuchteln und so laut wie moeglich schreien, um sie zu vertreiben. Elefanten sollte man einfach aus dem Weg gehen. Wenn man von wuetenden Rhinozerosssen verfolgt wuerde, waere es am Besten, im Zickzack wegzurennen (da die Tiere ein eingeschraenktes Sichtfeld haben), auf den naechsten Baum zu klettern oder sich hinter einem grossen Baum zu verstecken. Und bei Tigern koennte man nicht viel machen ausser regungslos stehenzubleiben, sie anzustarren und hoffen, dass sie einem nicht auffressen. Und am Besten sollten wir die ganze Zeit ruhig sein, um die Tiere nicht zu vertreiben. Soweit so gut.
Wir kaempften uns durch relativ baumloses Land durch 2 meter hohe, scharfe Schilfpflanzen. Als erstes sahen wir ein relativ frisches Tigerhaeufchen. Etwas beunruhigend.
Nach einer Stunde hoerten unsere Fuehrer ploetzlich etwas. Sie machten uns ein Zeichen fuer Rhinozerosse und wir schlichen vorsichtig weiter. Wir fanden frische Spuren und folgten diesen eine Weile. Und auf einmal hoerten wir ein unglaublich lautes, wuetendes Schnauben, ca 5 m entfernt, die Erde bebte. Wegen dem Schilf konnten wir nichts sehen und ich ueberlegte, wohin wir fluechten sollten. Keine Baeume in Sichtweite, dickes Schilf - und wenn die Rhinos den gleichen Weg zurueck nahmen, wuerden sie uns in 2 Sekunden niedertrampeln. Unsere Guides rannten zurueck und fuehrten uns zu einem winzigen Baum, wo wir geschockt stehenblieben und dann zu einem groesseren Baum rannten. Wir waren alle zu Tode erschrocken, Holly und Conny fingen fast an zu heulen und ich redete Deutsch mit Catherine. Habe selten in meinem Leben so Angst gehabt... Unser Guide kletterte auf einen Baum und sah von dort eine Rhinomutter mit ihrem Baby im Schilf verschwinden. Die naechsten Stunden waren weniger aufregend. Wir sahen noch einen Tiger-Pfotenabdruck, frisches Blut (von einem Adler) und Tiger-Kratzspuren an verschiedenen Baeumen. Am spaeten Nachmittag liefen wir auf einem Feldweg, als unsere Guides wiederum Rhinos hoerten. Ich hatte immer noch genug vom Vormittag und blieb so erst in sicherer Distanz. Die Guides bedeuteten mir, naeher zu kommen, und auf einmal sah ich das Rhino in ca. 20 m Entfernung, es sah mich an und kam auf uns zu. Wir Maedels rannten panisch durch den Wald zurueck zu einem umgefallenen Baumstamm und versteckten uns dahinter. Die Guides und die Mutigeren machten noch ein paar Fotos und kamen dann auch langsam zurueck. Sie erklaerten uns, dass das Rhino wohl in 50m Entfernung die Strasse ueberqueren wuerde und wir warteten einen Augenblick. Tatsaechlich erschien das Rhino dann auch nach einigen Minuten. Dummerweise bekamen Conny und Joanne genau in diesem Augenblick einen Kicheranfall, weil Connys Hose aufgerissen war. So hoerte uns das Tier, senkte den Kopf und kam auf uns zu. Zum Glueck kam genau in diesem Augenblick ein Jeep, das Rhino erschrak, blieb erst stehen und trottete dann schnell weg. Eine halbe Stunde spaeter kreuzten nochmals Rhinos unseren Weg, diese sah ich dann aber nicht mehr, da ich mich hinter einem Baum versteckte.
Suk und Rana, unsere Fuehrer erzaehlten uns, dass ihre Gruppen zweimal von Rhinozerossen gejagt wurden und ziemlich lang zwischen Baeumen hin und herrennen mussten...
Abends kamen wir dann muede in unserem Lager an, trafen die andere Gruppe (wir hatten uns morgens in zwei 6-er Gruppen aufgeteilt) - und diese waren sehr enttaeuscht, weil sie nichts gesehen hatten. Im Lager gab es leckeres Abendessen und am naechsten Morgen besichtigten eine Krokodilbrutstation.
Die Gharials sind auch sehr selten geworden, die Maennchen sehen mit ihren Knubbelnasen suess aus, ich moechte ihnen aber nicht im Wasser begegnen... In der Station konnten wir auch einen Tiger sehen. Er ist dort gefangen, weil seine Mutter, als er klein war, in vier Tagen 6 Menschen toetete und ihre Kinder damit fuetterte. Wenn Tiger einmal Menschenfleisch gewoehnt sind, moechten sie nichts mehr anderes fressen. Die Mutter wurde getoetet und der kleine Tiger lebt seitdem in Gefangenschaft.
Und am Nachmittag kamen wir dann voellig verdreckt wieder in unserem Hotel an (Kommentar Holly: Jeden Tag denke ich, dass ich in meinem Leben noch nie so dreckig war, aber am naechsten Tag wird das immer wieder uebertroffen).
Holly, Joanne, Conny und ich buchten noch eine Elefantentour - und sahen aus sicherer Hoehe nochmals ca. 8 Rhinos mit Babys. Die Rhinos sind die Elefanten gewoehnt, haben Respekt vor ihnen, da sie groesser sind, und lassen sie bis auf wenige Meter an sich herankommen.

Royal Chitwan National Park



Unser Hotel hier liegt schoen im Gruenen, kleine Bungalows auf einer grossen Wiese verstreut, auf der Kuehe weiden. Nach dem Check-In machten wir uns auf eine Fahrradtour zu einer nahegelegenen Elefanten-Zucht-Station - mit alten Fahrraedern, die zwar klapprig aussahen aber erstaunlich gut waren.
Im Nationalpark werden Elefanten, die in der Natur selten geworden sind, gezuechtet und zur Arbeit im Wald und mit Touristen trainiert. In der Station gab es viele suesse kleine Babyelefanten, zwischen 1 Monat und 4 Jahre alt. Diese waren nicht angekettet und sehr neugierig und verspielt. Als wir dort waren, konnten wir zusehen, wie ein 4-jaehriges Elefantenkind muehelos die Abgrenzung (solide Metallstangen) zertrampelte und uns Touristen mit dem Ruessel begruesste - auf der Suche nach Suessigkeiten und Spielzeug.

Tuesday, April 10, 2007

Nepal

Die Lage in Nepal hat sich in den letzten paar Wochen wieder etwas verschlechtert. Bald sind Wahlen und so moechte jeder seine Staerke beweisen. So gibt es "Streiks", die verhindern sollen, dass Waren von einem Ort zum anderen kommen - auf diese Weise moechten gewisse Leute Einfluss auf die Wirtschaft bekommen. Fuer den naechsten Tag war ein Streik angesagt und so verschob sich die Abfahrt von 9 auf 6 Uhr morgens (auf diesem Trip muss ich als Spaetaufsteherin immer leiden - Abfahrt war bis jetzt fast jeden Tag vor 7 Uhr morgens...)
Tatsaechlich wurden wir am naechsten Ort angehalten. Unser Fahrer bemuehte sich um eine Durchfahrtserlaubnis und nach langem Hin und Her und einem Buswechsel durften wir weiterfahren. Unsere Fahrer machten daraufhin abenteuerliche Umwege durch Waelder und kleine Doerfer, um einem weiteren Stopp zu entgehen. In "sicherem" Gebiet gab es dann Fruehstueck: Gemuesenudeln in einer kleinen Baracke am Strassenrand. Das Esseb "auf der Strasse" ist erstaunlich gut - Catherine meint, es wird immer ganz frisch zubereitet, da Asiaten auch bei gekochtem Gemuese unterscheiden koennen, ob es frisch gekocht oder aufgewaermt ist.

Varanasi


Die Yogastunde im Hotel war ein ziemlicher Reinfall. Naja, ich kannte die Uebungen noch nicht und Bewegung hat gutgetan. Aber unser "Guru" war recht von sich selber eingenommen und sehr teuer - wir haben 5x soviel wie das letzte Mal bezahlt.

Abends sind wir mit dem Boot auf den Ganges und haben kleine Kerzchen (jedes mit einem Wunsch versehen) schwimmen lassen. Leider war es ein bisschen windig und so brannten nicht alle, aber es war trotzdem ein sehr schoenes Bild, die brennenden Kerzen im Dunkeln wegschwimmen zu sehen.

Am naechsten Morgen ging es um 5 Uhr morgens weiter Richtung Nepal. Wir hatten einen netten aelteren Fahrer (der allerdings zu unserem Entsetzen zwei Radfahrer ohne mit der Wimper zu zucken umgefahren hat - zu Glueck standen sie gleich wieder auf). Unterwegs tranken wir an kleinen Staenden auf der Strasse Chai und assen leckere Samosas. Gegen 13 Uhr erreichten wir dann die nepalesische Grenze und kamen schneller als geplant durch den Zoll.

So blieb uns in Lumbini genug Zeit, die Geburtsstaette Buddhas anzusehen. Dies ist ein wunderbar meditativer Ort: Viele alte Baeume (unter einem soll Buddha vor ca. 2600 Jahren geboren worden sein), saftige Wiesen, Blumen, Gebetsfaehnchen und Tempel der verschiedensten buddhistischen Richtungen. In der Abendsonne sah es einfach traumhaft friedlich aus. Nach der Besichtigung haben sich vier von uns eine Rikscha genommen und noch drei Tempel angesehen.

Kinderarbeit


Auf der Strasse habe ich Rajeed und Hadji kennengelernt, zwei ca. 10jaehrige Postkartenverkaeufer, denen ich wunderbar kitschige Hindugoetter-Postkarten abgekauft habe. Am Nachmittag habe ich mich ein bisschen mit ihnen unterhalten und Rajeed hat mich zu sich nach Hause eingeladen um mir seinen kleinen Bruder zu zeigen. Die Familie wohnt in einer Huette am Gangesufer - eigentlich ist es nicht wirklich eine Huette, das Dach fehlt. Und so wohnt die ganze Familie auf einer Art offenen Veranda (8qm), ein Vorhang bildet die vierte Wand. Rajeed hat zwei Schwestern und vier Brueder - der kleinste ist erst einen Monat alt. Als wir angekommen sind, begruessten uns seine Mutter und eine Freundin von ihr. Sie hat mir stolz ihren kleinen Sohn gezeigt und hat sich ueber Besuch gefreut. Leider war die Unterhaltung etwas einsilbig, ich kann doch kein Hindi... Obwohl sie selber nichts haben, war die Mutter so gastfreundlich und hat mir ein Glas Wasser (habe ich nicht getrunken...) und ein Bisquit angeboten. Sie haben mir so leid getan, ich habe mich so hilflos gefuehlt und haette ihnen gerne irgendwie geholfen. Wollte Rajeed und Hadji dann an einem Kiosk auf eine Cola eingeladen. Rajeed meinte schuechtern, wenn moeglich haette er lieber eine Seife. Da haette ich fast zu heulen angefangen. Habe dann ein paar Sachen im Hotel zusammengerafft und ihnen das zusammen mit den Colas gegeben.

Friday, April 6, 2007

Das Beste zum Schluss...


Habe Varanasi zu meiner Lieblingsstadt in Indien auserkoren! Der Ort ist wie ein kleines Dorf, alle sind so freundlich und die religioesen Zeremonien sind faszinierend. Gestern abend waren wir am Ganges beim Abendgebet. Moenche laeuten unzaehlige Glocken, brennen Raeucherstaebchen ab, lassen Kerzen im Fluss schwimmen und singen Gebete. Ein unvergessliches Erlebnis, wie immer sinnesbetaeubend. Anschliessend sind wir zu Catherines (FR) Schneider und Catherine (NZ) und ich haben Powershopping gestartet. Insgesamt waren wir 3 Stunden im Laden, haben unzaehlige Sachen anprobiert und Farben ausgewaehlt. Schlussendlich habe ich eine massgeschneiderte Hose, eine Bluse und zwei Tunikas gekauft, aus leichter Baumwolle. Alles zusammen hat ca. 50 CHF gekostet, nicht ganz billig fuer Indien, dafuer wirklich gute Qualitaet. Da nach allen bisherigen Einkaeufen wirklich nichts mehr in meinen Rucksack passt, habe ich heuet eine Post gesucht, um ein paar 'Bangles' (Armreifen) heimzuschicken. Nachdem ich schon in Delhi ein 'Posterlebnis' mit Kelly hatte, war ich darauf eingestellt, dass es nicht ganz einfach werden zuerde und habe mir viiiiel Zeit dafuer genommen. Und so begann meine lange, aber lustige Odyssee. Der Hotelportier empfahl mir, das Paket auf der Post, 200 m vom Hotel entfert, abzugeben. Es war nicht so einfach, diese Post zu finden, aber die 15 Leute, die ich fragte, waren sehr nett und hilfsbereit, so gelangte ich schliesslich zum Postschalter. Der Beamte dort verwies mich aber auf eine andere Post in einem anderen Stadtteil. So nahm ich mir einen Rikschafahrer, der mich ins weiter entfernte Viertel "BA2" (oder so aehnlich) brachte. Leider kannte er sich dort nicht so gut aus, weshalb es etwas laenger brauchte, die Post zu finden. Dort angekommen, meinte der Mann am Postschalter, er koenne das Paket (kleine Schachtel) so nicht annehmen, ich muesse das einnaehen. Auf die Frage, wo und wie ich das machen sollte, konnte er mir nicht antworten. Ich fragte ein paar Leute, die mir sehr lieb und hilfsbereit Auskunft zu geben versuchten. Erst hiess es: Es ist ganz einfach, nimm einfach ein bisschen Baumwolle, naehe es mit einer Nadel ein und tropfe fluessiges Kerzenwachs als Siegel darauf. Lustig, manchmal habe ich das Gefuehl, die Leute haben eine ganz andere Denkweise und verstehen gewisse Sachen nicht oder ganz anders. Fuer mich war es logisch, dass ich als Touristin das nicht machen kann, bzw. es viel zu kompliziert ist, Baumwolle, Nadel, Faden, Kerzenwachs usw. zu kaufen, um ein kleines Paeckchen zu machen. Fuer sie ist es logisch, dass sie es selber machen und sie fanden mich wohl ein bisschen naiv, weil ich nicht wusste, wie es geht. Nach mehrmaligem Nachfragen meinten sie, dass es vielleicht bei irgendeinem Markt irgendjemanden gaebe, der das machen koenne. Da ich aber in der Hitze nicht aufs Gradewohl losfahren wollte, fragte ich noch ein bisschen weiter und fand schliesslich eine Angestellte, die meinte, es gaebe eine Agentur, die Touristen beim Paeckchenversenden helfe, sie gab mir auch die Telefonnummer. So ging es also wieder zurueck ins Hotel. Von dort aus rief ich die Agentur an, der Mann sagte mir, es waere im gleichen Viertel. Ich fragte an der Reception nach der Adresse und der Portier meinte nur: Ach ja, das ist gegenueber vom Hotel, die verschicken Paecken fuer Touristen... So bin ich 3 Stunden umsonst in der Stadt herumgefahren, aber wie gesagt, es hat wirklich Spass gemacht. Und der Besitzer der Agentur arbeitet fuer das geografische Institut der Universitaet Heidelberg, er betreut Studenten, die Arbeiten ueber Partizipation und soziale Netzwerke schreiben. So schliesst sich der Kreis wieder...

Heute morgen war auch traumhaft, wir sind um 5 Uhr morgens losgefahren, um den Sonnenaufgang ueber dem Ganges zu erleben. Das fruehe Aufstehen hat sich gelohnt, die Stimmung war einfach traumhaft. Obwohl es so frueh am Morgen war, waren schon soviele Leute unterwegs: Waescher, betende, meditierende und badende Leute, Verkaeufer und natuerlich die immer brennenden Feuer der Begraebnisrituale.

Nachher nehmen Holly und ich eine Yogastunde im Hotel und heute abend gehen wir den Sonnenuntergang ueber dem Fluss ansehen - wir werden auch kleine schwimmende Kerzchen mit unseren Wuenschen auf den Fluss setzen.

Ich bin ganz hin und weg von Varanasi - es ist die einzige Stadt in Indien, in der ich mir vorstellen koennte, zu leben.

Varanasi

Hui, zurueck in der Zivilisation (oder so aehnlich...). Stand gerade 15 min unter der Dusche und fuehle mich jetzt wieder einigermassen sauber. Die letzten zwei Tage waren traumhaft, aber jetzt ist es auch wieder schoen, in einem Hotel zu sein. Nach unserem Kochkurs (wir haben eine Liste mit Rezepten bekommen, eigentlich ist es gar nicht so schwierig, ich werde versuchen, das einmal nachzukochen) und dem Abendessen auf der Dachterrasse in Orchha ging es mit dem Nachtzug nach Allahabad. Wie schon im letzten Nachtzug schliefen wir in "Bump beds" - drei Liegen uebereinander, zu sechst in einem "Abteil". Gar nicht ungemuetlich, aber die Liegen waren wieder etwas kurz... Nach eine dem Fruehstuck in einem Hotel besuchten wir das Wohnhaus des ersten Premierministrs Indiens (Nehru, der Vater Indira Gandhis und ein guter Freund Mahatma Gandhis) in Allahabad. Danach 3 Stunden Busfahrt, dann erreichten wir den Ganges... Dort teilten wir uns auf 3 Schiffe (Felukken) auf, auf der Fahrt wurden wir von einem Kochboot begleitet und bekamen ein leckeres, reichliches Mittagessen. Die naechsten 4 Stunden liessen wir uns auf dem Ganges treiben - traumhaft gemuetlich und friedlich. Der Fluss ist ziemlich breit, fliesst traege dahin und man kann gut die Landschaft beobachten.
Nach Sonnenuntergang bauten unsere Fahrers 8 Iglu Zelte auf einer Sandbank auf. Nach dem Abendessen konnten wir den schoensten Sternenhimmel Indiens bewundern. Das Zelt mussten wir uns mit vielen Muecken und Spinnen teilen und Toilette war immer wieder ein Erlebnis... Ich haette ja gerne im Ganges gebadet - aber haette dafuer vollbekleidet reinspringen muessen (Bikinis sind tabu) und Catherine meinte, der Fluss waere wohl recht verschmutzt.
Heute gab es bei Sonnenaufgang Fruehstueck und dann ging es auf dem "heiligen Fluss" weiter. Auf der Fahrt konnten wir sogar Delfine sehen, die im Wasser herumsprangen. Und nun sind wir in Varanasi angelangt, einer heiligen Stadt. Es heisst, dass man suendenfrei wird, wenn man nach dem Tod in Varanasi verbrannt und die Asche in den Ganges gestreut wird.

Wednesday, April 4, 2007

Orchha


Orchha ist ein gemuetlicher kleiner Ort, wir haben hier ein schoenes Hotel mit traumhaften Garten am Flussufer. Auf dem Programm standen die Besichtigung eines ehemaligen Koenigpalastes und ein Tempel, in dem es viele "Sadus", heilige Maenner sahen. Am Nachmittag fuhren wir in ein kleines Dorf. Die Regierung baut hier fuer die armen Leute kleine Haeuser und bringt ein bis zweimal im Monat Nahrungsmittel. Wir sahen auch eine Papierfabrik, in welcher "tribal women" (Stammesfrauen, die kastenlos und von der Stellung her sogar geringer als "Unberuehrbare" sind) aus Stoffresten Papier machen. Abends genossen wir ein Abendessen auf der Terrasse und wurden von einheimischer Musik und Tanz unterhalten. Am Vormittag waren wir auf dem Dach eines Hindutempels. Unser Guide ist wie eine Katze auf dem Dach herumgeklettert und hat versucht, uns zu ueberreden, ihm nachzuklettern. Heute nachmittag geht es zu einem indischen Kochkurs, anschliessend mit dem Nachtzug nach Allahabad und von dort morgen per Schiff auf dem Ganges weiter. Dann Uebernachtung im Camping und weiter auf dem Boot nach Varanasi. Das heisst zwei bis drei Tage ohne Dusche und ohne, bzw. mit indischem Klo (Loch im Boden). Help...
Seit gestern haben 4 Leute aus unserer Gruppe Magen-Darm Probleme, ich hoffe, wir alle ueberstehen die Reise gut ;-)

Start der zweiten Gruppenreise



Uff, ich war ja so froh, als ich Claire, Matt und Ian einen Tag vor Beginn der Intrepid Reise getroffen habe. Die Tage in Delhi waren etwas einsam, und ich war happy, wieder Teil einer "westlichen" Gruppe zu sein. Diese besteht aus:
- Robyn und Tony, einem aelteren Paar aus Australien, die gerne und viel Scotch trinken. Tony sieht aus wie Blocher und poltert herum wie Bush, aber eigentlich sind beide ganz nett.
- Holly und Joanne, zwei Australierinnen Anfang 20, sehr lustig, ich verbringe viel Zeit mit ihnen - Claire und Amanda, zwei alleinreisende Single-Maedels Ende 20 aus London, einzeln sind sie sehr lieb, aber zusammen etwas frustriert, versuchen, obercoole Citygirls zu spielen und verbreiten dann langweilige Stimmung.
- Ben aus Hollywood, Ende 20, reist ein Jahr lang und hat in dieser Zeit mindestens 10 Intrepid Touren gebucht (woher er wohl das Geld hat?)
- Matt & Ian, um die 30 aus Cardiff
- Catherine & Conny aus Neuseeland, eine sehr engagierte, redselige und interessante Mutter mit ihrer sehr ruhigen Tochter
- unsere franzoesische Reiseleiterin Catherine, sie lebt seit 7 Jahren mehr oder weniger in Asien, betreut uns sehr gut und weiss einfach alles.
Soweit also Klatsch und Tratsch zu unserer Gruppe...

Die ersten zwei Tage in Delhi und Agra hatten das gleiche Programm wie in der Tour zuvor, bei der Besichtigung von Old Delhi haben wir aber andere Gassen und Viertel erkundet. Am zweiten Tag ging es mit dem 7h15 Zug (morgens!!!) nach Agra. Waehrend die Gruppe das Red Fort besichtigte (welches ich schon gesehen hatte), besuchte ich das Baby Taj Mahal, ein Grabmomument, das eine Koenigin fuer ihre Eltern gebaut hat. Nachmittags ging es dann nochmals ins Taj Mahal. Wie ueberall waren wir Touristinnen hier eine Attraktion und viele Inder wollten Fotos mit uns machen. Am naechsten Tag fuhren wir nach Orchha, einem gemuetlichen kleinen Ort (leider mit grauenhaft langsamen Internetverbindungen - zudem faellt der Strom staendig aus).
Im Zug haben mich superliebe ArchitekturstudentInnen aus Agra angesprochen, mir Suessigkeiten geschenkt und ein Maedchen hat ein Hindulied fuer mich gesungen. Schon in Delhi hat uns eine indische Familie beim Abendessen angesprochen, uns eingeladen und der Vater hat uns fuer "Notfaelle" seine Telefonnummer gegeben. Wir haben unsere Probleme mit gewissen Haendlern, Rikshafahrern und Bettlern angesprochen. Er meinte: Schaut, im Vergleich zu den meisten Indern seid Ihr sehr reich, so versuchen alle, Geschaefte mit Euch zu machen und so viel Geld wie moeglich abzubekommen. Das ist nur normal...
Catherine, unser Guide hat uns auch erklaert, dass es in Hindi nur ein Wort fuer gestern und morgen gibt. Die Leute leben im jetzt und denken nicht ueber die Vergangenheit oder Zukunft nach.