
Am naechsten Morgen ging es auf eine zweitaegige Tour in den Nationalpark. Die Tour begann mit einer zweistuendigen Kanufahrt, auf welcher wir Krokodile und viele viele Voegel beobachten konnten. Mit unseren beiden Fuehrern machten wir uns dann zu Fuss auf den Weg in den Dschungel. Diese gaben uns erst eine kleine Einfuehrung: Wenn Baeren auftauchen, sollten wir alle in einer Gruppe bleiben, mit den Armen
fuchteln und so laut wie moeglich schreien, um sie zu vertreiben. Elefanten sollte man einfach aus dem Weg gehen. Wenn man von wuetenden Rhinozerosssen verfolgt wuerde, waere es am Besten, im Zickzack wegzurennen (da die Tiere ein eingeschraenktes Sichtfeld haben), auf den naechsten Baum zu klettern oder sich hinter einem grossen Baum zu verstecken. Und bei Tigern koennte man nicht viel machen ausser regungslos stehenzubleiben, sie anzustarren und hoffen, dass sie einem nicht auffressen. Und am Besten sollten wir die ganze Zeit ruhig sein, um die Tiere nicht zu vertreiben. Soweit so gut.Wir kaempften uns durch relativ baumloses Land durch 2 meter hohe, scharfe Schilfpflanzen. Als erstes sahen wir ein relativ frisches Tigerhaeufchen. Etwas beunruhigend.
Nach einer Stunde hoerten unsere Fuehrer ploetzlich etwas. Sie machten uns ein Zeichen fuer Rhinozerosse und wir schlichen vorsichtig weiter. Wir fanden frische Spuren und folgten diesen eine Weile. Und auf einmal hoerten wir ein unglaublich lautes, wuetendes Schnauben, ca 5 m entfernt, die Erde bebte. Wegen dem Schilf konnten wir nichts sehen und ich ueberlegte, wohin wir fluechten sollten. Keine Baeume in Sichtweite, dickes Schilf - und wenn die Rhinos den gleichen Weg zurueck nahmen, wuerden sie uns in 2 Sekunden niedertrampeln. Unsere Guides rannten zurueck und fuehrten uns zu einem winzigen Baum, wo wir geschockt stehenblieben und dann zu einem groesseren Baum rannten. Wir waren alle zu Tode erschrocken, Holly und Conny fingen fast an zu heulen und ich redete Deutsch mit Catherine. Habe selten in meinem Leben so Angst gehabt... Unser Guide kletterte auf einen Baum und sah von dort eine Rhinomutter mit ihrem Baby im Schilf verschwinden. Die naechsten Stunden waren weniger aufregend. Wir sahen noch einen Tiger-Pfotenabdruck, frisches Blut (von einem Adler) und Tiger-Kratzspuren an verschiedenen Baeumen. Am spaeten Nachmittag liefen wir auf einem Feldweg, als unsere Guides wiederum Rhinos hoerten. Ich hatte immer noch genug vom Vormittag und blieb so erst in sicherer Distanz. Die Guides bedeuteten mir, naeher zu kommen, und auf einmal sah ich das Rhino in ca. 20 m Entfernung, es sah mich an und kam auf uns zu. Wir Maedels rannten panisch durch den Wald zurueck zu einem umgefallenen Baumstamm und versteckten uns dahinter. Die Guides und die Mutigeren machten noch ein paar Fotos und kamen dann auch langsam zurueck. Sie erklaerten uns, dass das Rhino wohl in 50m Entfernung die Strasse ueberqueren wuerde und wir warteten einen Augenblick. Tatsaechlich erschien das Rhino dann auch nach einigen Minuten. Dummerweise bekamen Conny und Joanne genau in diesem Augenblick einen Kicheranfall, weil Connys Hose aufgerissen war. So hoerte uns das Tier, senkte den Kopf und kam auf uns zu. Zum Glueck kam genau in diesem Augenblick ein Jeep, das Rhino erschrak, blieb erst stehen und trottete dann schnell weg. Eine halbe Stunde spaeter kreuzten nochmals Rhinos unseren Weg, diese sah ich dann aber nicht mehr, da ich mich hinter einem Baum versteckte.Suk und Rana, unsere Fuehrer erzaehlten uns, dass ihre Gruppen zweimal von Rhinozerossen gejagt wurden und ziemlich lang zwischen Baeumen hin und herrennen mussten...
Abends kamen wir dann muede in unserem Lager an, trafen die andere Gruppe (wir hatten uns morgens in zwei
6-er Gruppen aufgeteilt) - und diese waren sehr enttaeuscht, weil sie nichts gesehen hatten. Im Lager gab es leckeres Abendessen und am naechsten Morgen besichtigten eine Krokodilbrutstation.Die Gharials sind auch sehr selten geworden, die Maennchen sehen mit ihren Knubbelnasen suess aus, ich moechte ihnen aber nicht im Wasser begegnen...
In der Station konnten wir auch einen Tiger sehen. Er ist dort gefangen, weil seine Mutter, als er klein war, in vier Tagen 6 Menschen toetete und ihre Kinder damit fuetterte. Wenn Tiger einmal Menschenfleisch gewoehnt sind, moechten sie nichts mehr anderes fressen. Die Mutter wurde getoetet und der kleine Tiger lebt seitdem in Gefangenschaft.Und am Nachmittag kamen wir dann voellig verdreckt wieder in unserem Hotel an (Kommentar Holly: Jeden Tag denke ich, dass ich in meinem Leben noch nie so dreckig war, aber am naechsten Tag wird das immer wieder uebertroffen).

Holly, Joanne, Conny und ich buchten noch eine Elefantentour - und sahen aus sicherer Hoehe nochmals ca. 8 Rhinos mit Babys. Die Rhinos sind die Elefanten gewoehnt, haben Respekt vor ihnen, da sie groesser sind, und lassen sie bis auf wenige Meter an sich herankommen.
No comments:
Post a Comment