Friday, April 6, 2007

Das Beste zum Schluss...


Habe Varanasi zu meiner Lieblingsstadt in Indien auserkoren! Der Ort ist wie ein kleines Dorf, alle sind so freundlich und die religioesen Zeremonien sind faszinierend. Gestern abend waren wir am Ganges beim Abendgebet. Moenche laeuten unzaehlige Glocken, brennen Raeucherstaebchen ab, lassen Kerzen im Fluss schwimmen und singen Gebete. Ein unvergessliches Erlebnis, wie immer sinnesbetaeubend. Anschliessend sind wir zu Catherines (FR) Schneider und Catherine (NZ) und ich haben Powershopping gestartet. Insgesamt waren wir 3 Stunden im Laden, haben unzaehlige Sachen anprobiert und Farben ausgewaehlt. Schlussendlich habe ich eine massgeschneiderte Hose, eine Bluse und zwei Tunikas gekauft, aus leichter Baumwolle. Alles zusammen hat ca. 50 CHF gekostet, nicht ganz billig fuer Indien, dafuer wirklich gute Qualitaet. Da nach allen bisherigen Einkaeufen wirklich nichts mehr in meinen Rucksack passt, habe ich heuet eine Post gesucht, um ein paar 'Bangles' (Armreifen) heimzuschicken. Nachdem ich schon in Delhi ein 'Posterlebnis' mit Kelly hatte, war ich darauf eingestellt, dass es nicht ganz einfach werden zuerde und habe mir viiiiel Zeit dafuer genommen. Und so begann meine lange, aber lustige Odyssee. Der Hotelportier empfahl mir, das Paket auf der Post, 200 m vom Hotel entfert, abzugeben. Es war nicht so einfach, diese Post zu finden, aber die 15 Leute, die ich fragte, waren sehr nett und hilfsbereit, so gelangte ich schliesslich zum Postschalter. Der Beamte dort verwies mich aber auf eine andere Post in einem anderen Stadtteil. So nahm ich mir einen Rikschafahrer, der mich ins weiter entfernte Viertel "BA2" (oder so aehnlich) brachte. Leider kannte er sich dort nicht so gut aus, weshalb es etwas laenger brauchte, die Post zu finden. Dort angekommen, meinte der Mann am Postschalter, er koenne das Paket (kleine Schachtel) so nicht annehmen, ich muesse das einnaehen. Auf die Frage, wo und wie ich das machen sollte, konnte er mir nicht antworten. Ich fragte ein paar Leute, die mir sehr lieb und hilfsbereit Auskunft zu geben versuchten. Erst hiess es: Es ist ganz einfach, nimm einfach ein bisschen Baumwolle, naehe es mit einer Nadel ein und tropfe fluessiges Kerzenwachs als Siegel darauf. Lustig, manchmal habe ich das Gefuehl, die Leute haben eine ganz andere Denkweise und verstehen gewisse Sachen nicht oder ganz anders. Fuer mich war es logisch, dass ich als Touristin das nicht machen kann, bzw. es viel zu kompliziert ist, Baumwolle, Nadel, Faden, Kerzenwachs usw. zu kaufen, um ein kleines Paeckchen zu machen. Fuer sie ist es logisch, dass sie es selber machen und sie fanden mich wohl ein bisschen naiv, weil ich nicht wusste, wie es geht. Nach mehrmaligem Nachfragen meinten sie, dass es vielleicht bei irgendeinem Markt irgendjemanden gaebe, der das machen koenne. Da ich aber in der Hitze nicht aufs Gradewohl losfahren wollte, fragte ich noch ein bisschen weiter und fand schliesslich eine Angestellte, die meinte, es gaebe eine Agentur, die Touristen beim Paeckchenversenden helfe, sie gab mir auch die Telefonnummer. So ging es also wieder zurueck ins Hotel. Von dort aus rief ich die Agentur an, der Mann sagte mir, es waere im gleichen Viertel. Ich fragte an der Reception nach der Adresse und der Portier meinte nur: Ach ja, das ist gegenueber vom Hotel, die verschicken Paecken fuer Touristen... So bin ich 3 Stunden umsonst in der Stadt herumgefahren, aber wie gesagt, es hat wirklich Spass gemacht. Und der Besitzer der Agentur arbeitet fuer das geografische Institut der Universitaet Heidelberg, er betreut Studenten, die Arbeiten ueber Partizipation und soziale Netzwerke schreiben. So schliesst sich der Kreis wieder...

Heute morgen war auch traumhaft, wir sind um 5 Uhr morgens losgefahren, um den Sonnenaufgang ueber dem Ganges zu erleben. Das fruehe Aufstehen hat sich gelohnt, die Stimmung war einfach traumhaft. Obwohl es so frueh am Morgen war, waren schon soviele Leute unterwegs: Waescher, betende, meditierende und badende Leute, Verkaeufer und natuerlich die immer brennenden Feuer der Begraebnisrituale.

Nachher nehmen Holly und ich eine Yogastunde im Hotel und heute abend gehen wir den Sonnenuntergang ueber dem Fluss ansehen - wir werden auch kleine schwimmende Kerzchen mit unseren Wuenschen auf den Fluss setzen.

Ich bin ganz hin und weg von Varanasi - es ist die einzige Stadt in Indien, in der ich mir vorstellen koennte, zu leben.

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